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EU-Urheberrechtsreform: Die 15 Argumente der Lobbyisten

Mitglied: Frank

Frank (Level 5) - Jetzt verbinden

09.03.2019, aktualisiert 10.03.2019, 1591 Aufrufe, 5 Kommentare, 5 Danke

"Die Welt", ein Onlineportal des Axel Springer Verlags, hat einen Gastartikel von Micki Meuser veröffentlicht. Er ist Filmkomponist, Musikproduzent, Songwriter und sitzt im Aufsichtsrat der GEMA.

Der umstrittene Artikel 13 sorgt in Wahrheit für mehr Gerechtigkeit

Argument 1

Wer schon immer mal beobachten wollte, mit welcher Macht milliardenschwere Wirtschaftsmonopole einer Gesellschaft das Gehirn waschen und eine verlogene Debatte aufzwingen können, kann das zurzeit live tun

Es ist längst bewiesen, dass da keine Beeinflussung stattfand:

Haben US-Konzerne mit Twitter-Bots die EU-Urheberrechts­debatte beeinflusst? (deutsch)
Copyright Directive: competing big business lobbies drowned out critical voices (englisch)

Argument 2

Dies alles ist in großen Teilen Panikmache und Mobilmachung für die Profite von Silicon-Valley-Monopolen

Uns hat keine Silicon-Valley Firma aufgerufen, um gegen die Reform zu demonstrieren. Das war unsere eigene Entscheidung, nach dem wir die Gesetzesvorlage durchgelesen und verstanden haben.

Argument 3

Weder ist die „Freiheit im Internet“ gefährdet, noch muss „YouTube zumachen“. Und „Zensur“ ist schon mal ganz was anderes als das, was die Richtlinie bringt.

Wo es Filter gibt, wird es auch immer Zensur geben. Die Möglichkeiten für einen Missbrauch sind damit gegeben.

Argument 4

Dass Unternehmen aus USA dieses Mittel wählen, um ihren immensen Profit zu sichern, ist nicht unbedingt demokratisch.

Firmen aus der USA haben, wie oben schon beschrieben, mit dem Protest nichts zu tun. Der Protest kommt von Leuten, die sich die Gesetzesvorlage durchgelesen haben und von den Verbrauchern, die um die Freiheit des Internets fürchten. Nein, wir sind keine Bots.

Argument 5

Aber da Unwahrheiten lautstark, vehement und erhitzt vorgetragen werden, ist es umso mehr Pflicht der Kreativen, sie nicht unkommentiert hinzunehmen

Alle Kreative == Gema?

Argument 6

Erstens: Uploadfilter gibt es schon jetzt!

Mir persönlich sind keine Filtersysteme bekannt, die man kaufen oder als Dienstleistung buchen kann. Das bekannteste ist wohl das millionenschwerer Content-ID System von Google, das man innerhalb von Youtube nutzen kann. Wir haben oder besitzen keine Filtersoftware.

Argument 7

Alle relevanten digitalen Plattformen setzen sie ein. Kein Geschäftsmodell kann ohne Inhalte-Erkennungstechnologien – so der Uploadfilter-Klarname – bestehen. .. Mit dieser Technologie wird millionenfach gefiltert, jeden Tag, blockiert und bisweilen auch abgemahnt.

Unser Geschäftsmodell besteht erfolgreich seit 20 Jahren ganz ohne Filter oder Filtersoftware. Wieso sollte denn durch Filter abgemahnt werden? Aber schön, dass ein Vertreter der Verwertungsgesellschaften (hier Gema) zugibt, dass es FILTER sind.

Argument 8

Es wird sie (Filter) vor allem dann weitergeben, wenn die EU-Richtlinie nicht kommt, weiterhin ohne jede Kontrolle.

Laut aktuellem Recht müssen Inhalte bis heute nicht vorab kontrolliert werden. Wieso sollten Filter existieren oder kontrollieren?

Argument 9

Sollte die Richtlinie beschlossen werden, kommen mindestens zwei neue und freiere Möglichkeiten für Plattformen, die mit kulturellen Werken Wertschöpfung betreiben, hinzu: Die Lizenzierung an die Rechteinhaber (zentral möglich über Verwertungsgesellschaften und Verwerter) und Pauschalzahlungen. Dann braucht es keine Filter mehr beim Upload.

Da es bisher keine Filter und auch kein Recht auf filtern gibt, kommen zwei neue Möglichkeiten hinzu, die uns dazu zwingen, an Verwertungsgesellschaften Gebühren abzugeben. Das ist das Gegenteil von Freiheit.

Argument 10

Zweitens: Lizenzierung ist das Zauberwort, nicht Filterung. … Wo das nicht möglich ist, sind Pauschalzahlungen die zweite Lösung. Erst wenn all dies nicht möglich ist, also Lizenzen weder gewollt noch möglich sind, müssen Plattformen den Wiederupload gemeldeter Inhalte verhindern.

Also doch filtern.

Argument 11

Drittens: Schon heute – und nicht erst bei Inkrafttreten der Richtlinie – sind die Uploader und Verbraucher in einer rechtlich unsicheren Position.

Das aktuelle Urheberrecht und Telemediengesetz regelt seit Jahren die rechtliche Position beider Seiten, die der Autoren, Verbraucher und die der Plattformen. Es gibt rechtlich keine unsichere Position. Wir haben da keinen rechtsfreien Raum.

Argument 12

Wenn die Richtlinie kommt, werden die Verbraucher auf der rechtssicheren Seite sein. Sie können hochladen, was sie wollen. Sollte die Richtlinie nicht kommen, bleibt es bei der Verantwortung der Uploader.

Die Uploader oder Autoren haften immer für ihre Inhalte, die sie hochladen. An der rechtlichen Verantwortung von eigenen Inhalten ändert sich auch nach der Reform nichts. Egal ob diese kommt oder nicht.

Argument 13

Viertens: Memes, Blogs und Foren sind vom Anwendungsbereich ausgeschlossen. Genauso Start-up-Plattformen, die kulturelle Werke kommerziell verwerten, und zwar in den ersten drei Jahren, bis zu einem Umsatz von zehn Millionen Euro und bis zu fünf Millionen Usern.

Alle Plattformen, auch Foren und Blogs die älter als drei Jahre sind fallen unter die Reform. Das haben bereits etliche Anwälte und Experten bestätigt. Egal welchen Umsatz oder wieviele User sie haben. Laut Gesetzesvorlage sind es auch nicht User sondern 5 Millionen Seitenaufrufe. Aber was bedeuten hier schon Details ..

Argument 14

Kreative sehen nur nicht ein, dass der gesamte Profit, der damit durch Werbung und Datenhandel gemacht wird, bei den Plattformen allein hängen bleibt. Sie wollen einen fairen Anteil.

Dann sollten die Verwertungsgesellschaften aufhören Knebelverträge abzuschließen und ihre Künstler gerecht beteiligen. Die Reform stärkt hauptsächlich die Verwertungsgesellschaften und nicht die Künstler oder Autoren.

Argument 15

Mit Zwei-Wort-Phrasen wie „Upload Filter“ ist dies den mesten Menschen leider nicht demokratisch zu vermitteln.

Sagt ein Lobbyist, der auf einer Axel-Springer Plattform eine Gesetzesvorlage unterstützt, die Experten und auch die Politik als nicht verhältnismäßig einstuft. LOL

Gruß
Frank
Mitglied: Globetrotter
09.03.2019 um 16:19 Uhr
Wer soll solche Filter programmieren ? Das die nicht funktionieren ist auch klar aber "WhatTheHell" geht in manchen geistigen Politikern vor?
Das jeder für sein "Geisteswerk" entlohnt werden soll - eingentlich ne Prima Sache - wer zum Teufel will das aber kontrollieren ?
Dazu gibt es natürlich aus Hollywood seit Jahrzehnten gute Filme die so wtwas veranschaulichen... Ich will lieber nicht entlohnt werden, dafür aber meine Freiheit geniessen..

Gruss Globe!
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Mitglied: departure69
14.03.2019 um 13:21 Uhr
@Frank:

Man kann die Sache, m. E. sogar guten Gewissens, auch komplett andersherum sehen:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/debatte-um-das-urheberrech ...

Wenn ich das richtig verstehe, wäre Administrator.de und andere gleicher Größe wirklich nicht betroffen.

Und die Verwerter müssen verläßliche Datenbanken zur Verfügung stellen, bevor überhaupt irgendeine automatische Erkennung loslegen könnte…


Und die beiden Redakteure der FAZ sind mutmaßlich keine Lobbyisten, sondern lediglich Menschen, die sich die Novelle mal richtig und vollständig durchgelesen haben.

Die Konsequenzen, die Du befürchtest, stellst Du unnötigerweise völlig übertrieben dar. Ich wette: Administrator.de passiert rein gar nichts. Wie die Gema schon erklärt hat: Hier geht es um die wirklich Großen (Youtube usw.).


Viele Grüße

von

departure69
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Mitglied: Frank
14.03.2019, aktualisiert um 15:56 Uhr
Hi @departure69

wenn das zwei Redakteure eines Verlags und sogar die Gema sagen, ja dann muss es ja richtig sein. Ich weiß gar nicht, wie oft ich hier schon die Links zu Rechtsanwälten und Menschen, die sich wirklich mit der Sachlage beschäftigt haben, aufgeführt habe, aber deine Blauäugigkeit ist schon bewundernswert.

Klar sollte es nur die "Großen" treffen, aber Frankreich und auch die Verlage wollten das nicht. Es wäre einfach gewesen, das alles so zu formulieren, dass es nur Firmen wie Youtube etc. trifft. Haben sie aber nicht. Du kannst dir das aber gerne noch mal z.B. von einem Rechtsanwalt erklären lassen:


Auch die anderen 380 Foren irren sich natürlich alle:
https://foren-gegen-uploadfilter.eu/

P.S. beim Lesen des faz-Artikels musste ich ganz oft lachen, denn so einen Unfug habe ich selten gelesen.

Ein Satz aus dem Text korrigiere ich mal:

Lassen wir es zu, dass dieser öffentliche Raum nicht mehr demokratisch reguliert wird, begeben wir uns nicht nur im Netz in die Willkürherrschaft gieriger Verwertungsgesellschaften.

Übrigens hat "Mindbase" auch die bewiesenen Falschaussagen über die Beeinflussung durch US-Konzerne gemacht (Stefan Herwig und Lukas Schneider betreiben Mindbase). Die beiden Autoren gehören zu den größten Lobbyisten der Reform:

Copyright Directive: competing big business lobbies drowned out critical voices
Haben US-Konzerne mit Twitter-Bots die EU-Urheberrechts­debatte beeinflusst?

Stefan Herwig zum Beispiel schreibt schon seit langer Zeit immer wieder den selben Text:
Herwig hält Internetaktivisten "Syntakt Error (1)" vor

Was der Text und die Aussagen dazu in der FAZ wert sind, kann sich damit jeder selbst denken.


Gruß
Frank
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Mitglied: departure69
14.03.2019 um 15:49 Uhr
@Frank:

Hallo Frank.

Danke für Deine Antwort.

Ich bleibe dabei: Unnötige Panikmache von allen Seiten. Und ebenso bleibe ich dabei, daß Administrator.de und ähnlich "kleinen" Foren nichts passieren wird. Ich fände das im Übrigen absolut bedauerlich, wenn ich mich hier irren sollte, nicht, weil ich dann der mit dem Irrtum bin, sondern weil ich Administrator.de (und noch ein paar andere Foren ähnlicher Größe) sehr gerne mag, hier ist meine, rein auf meine berufliche Tätigkeit bezogen, digitale Heimat im WWW.

Die 380 Foren irren sich gewiß nicht in ihren grundsätzlichen Feststellungen. Natürlich haben sich da sehr viele Menschen mit hohem Verstand in der Sache mit der Angelegenheit tiefgehend auseinandergesetzt. Aber hoffentlich irren die sich doch bei den befürchteten Konsequenzen! Warum traut denn der Politik niemand mal einen positiven Schachzug zu, nämlich den, es tatsächlich nur auf die "Großen" (die eine solche Behandlung sehr wohl verdienen und sich auch leisten können!) abgesehen zu haben, dies aber natürlich nicht offiziell zugegeben werden kann, die kleinen danach aber schlichtweg zu ignorieren bzw. dort nichts derartiges zu verfolgen? Ich halte das für denkbar, ja fast für logisch, denn träfen die befürchteten Konsequenzen tatsächlich ein, wäre es noch milde ausgedrückt, von einer Katastrophe zu sprechen. Das kann sich kein noch so abgebrühter oder sogar auch noch lobbybegünstigter Politiker leisten.

Ich bange und hoffe, doch nicht ganz ohne Zuversicht, daß alles gut wird.


Viele Grüße

von

departure69
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Mitglied: Frank
14.03.2019, aktualisiert um 16:07 Uhr
Dein Konzept beruht auf "Hoffnung", was wir aber brauchen ist "Gewissheit". Die Freiheit des Internets darf nicht durch Verwertungsgesellschaften bestimmt werden.

Gehe lieber am 23.03 demonstrieren, dann machst du auch was, statt lediglich zu hoffen, dass alles gut wird.

Warum traut denn der Politik niemand mal einen positiven Schachzug zu, nämlich den, es tatsächlich nur auf die "Großen" ...

Weil sie es anders aufgeschrieben habe. Letztendlich zählt nicht die gute Absicht dahinter, sondern das aktuelle Resultat. Die Lobbyisten der Verlage und der Verwertungsgesellschaften beeinflussen die Politik so sehr, dass diese die Freiheit des Internets als Kollateralschaden in Kauf nehmen.

Gruß
Frank
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